Mantrailing oder ID-Tracking?

Zwei faszinierende Sparten der Personensuche im Vergleich

Die Arbeit mit der Hundenase fasziniert – und sie beeindruckt.
Sowohl beim Mantrailing als auch beim ID-Tracking verfolgt der Hund den Individualgeruch eines Menschen. Dennoch unterscheiden sich beide Sparten deutlich in Aufbau, Trainingsmethodik und Zielsetzung.

In diesem Beitrag erhalten Sie einen klaren Überblick über Gemeinsamkeiten und Unterschiede – damit Sie einschätzen können, welche Suchart zu Ihnen und Ihrem Hund passt.

 

 


 

🐾 Grundidee beider Sparten

Beide Arbeitsbereiche basieren auf dem Individualgeruch eines Menschen.

Jeder Mensch verliert pro Minute etwa 40.000 Hautzellen. Diese Zellen werden von Bakterien zersetzt – dabei entstehen Gase, die den individuellen Geruch verstärken. Der Hund orientiert sich an diesen zerfallenden Partikeln.

Umwelteinflüsse wie:

  • Temperatur

  • Luftfeuchtigkeit

  • Wind

  • Gelände

beeinflussen, wie lange und wie deutlich eine Spur wahrnehmbar ist.

 


 

Gegenüberstellung Mantrailing & ID-Tracking

Bereich Mantrailing ID-Tracking
Grundprinzip Verfolgung des Individualgeruchs einer bestimmten Person Differenzierung und Verfolgung eines bestimmten Individualgeruchs
Suchweise Der Hund folgt der Geruchswolke – sie kann sich weit von der Trittspur entfernen Der Hund arbeitet sehr nah an der Fußspur (schwere Witterung)
Gelände Stadt, Wald, Wiese – auch stark bebaute Gebiete Meist strukturierte Trainingsgebiete, kontrollierter Aufbau
Person am Ende? Häufig befindet sich die gesuchte Person am Ende des Trails Selten Person am Ende – Fokus liegt auf Geruchsdifferenzierung
Geruchsarbeit Arbeit im „Geruchskorridor“, abhängig von Wind und Thermik Präzise, kleinschrittige Spurarbeit nahe der Trittabfolge
Teamarbeit Sehr intensive Kommunikation zwischen Mensch & Hund Ebenfalls Teamarbeit, jedoch strukturierter Trainingsaufbau
Einsatzbereich Freizeit & Realeinsatz Freizeit & Realeinsatz (z. B. bei Polizei in Finnland)

 

🔍 Besondere Merkmale des Mantrailings

  • Der Hund folgt nicht der Bodenverletzung, sondern ausschließlich dem Individualgeruch.

  • Die Geruchswolke kann je nach Wind seitlich versetzt liegen.

  • Besonders im städtischen Bereich ist das Folgen oft leichter, da Gebäude Geruch bündeln.

  • Jede Hunderasse kann Mantrailing lernen.

Voraussetzungen Hund (Realeinsatz)

  • Wesensstärke

  • Umwelt- und Geräuschsicherheit

  • Konzentrationsfähigkeit

  • Neutralität gegenüber Menschen & Tieren

  • Motivation, eine fremde Person finden zu wollen

Im Freizeitbereich

Mantrailing eignet sich hervorragend für:

  • unsichere Hunde

  • Hunde mit geringerem Selbstvertrauen

  • teilweise auch für Hunde mit Unsicherheiten gegenüber Menschen

Die Hunde gewinnen Sicherheit, da sie in ihrer „Geruchswelt“ sehr kompetent sind.

 


 

🔬 Besondere Merkmale des ID-Trackings

ID-Tracking ist stark strukturiert und umfasst mehrere Trainingsbereiche:

1️⃣ Lineup

  • Mehrere Geruchsproben (z. B. Gläser)

  • Hund wählt den passenden Geruch aus

  • Trainiert Geruchsdifferenzierung & Konzentration

2️⃣ Artikelsuche

  • Hund sucht Gegenstände mit dem vorgegebenen Geruch

  • Indoor oder Outdoor möglich

  • Sehr präzise Geruchsarbeit

3️⃣ Tracking

  • Spurarbeit nah an der Fußspur

  • Kleine Gegenstände entlang der Spur dienen als Bestätigung

  • Fokus auf ruhiger, kontrollierter Arbeitsweise

Im Gegensatz zum Mantrailing wird häufig ohne Zielperson am Ende gearbeitet, um visuelle Suche oder Hochwind-Suche zu vermeiden.

 


 

🧠 Charakterliche Unterschiede im Training

Mantrailing fördert:

  • Dynamik

  • Entscheidungsfähigkeit

  • selbstständiges Arbeiten im Geruchsfeld

  • intensive Teamkommunikation

ID-Tracking fördert:

  • Ruhe

  • Struktur

  • Präzision

  • Impulskontrolle

Gerade für schnelle, hektische oder sehr triebstarke Hunde kann ID-Tracking eine wertvolle Alternative sein.

 


 

📌 Voraussetzungen im Überblick

ID-Tracking – Hund

  • Spiel- oder Futtermotivation

  • Konzentrationsfähigkeit

  • ruhiges, gründliches Arbeiten

ID-Tracking – Mensch

  • Freude am strukturierten Aufbau

  • Organisationsfähigkeit

  • Trainingsplanung & Dokumentation

  • Regelmäßiges Training

Mantrailing – Mensch

  • gute Beobachtungsgabe

  • Vertrauen in den Hund

  • Bereitschaft zur Teamarbeit

 


 

🎯 Welche Sparte passt zu wem?

Mantrailing eignet sich besonders für Teams, die:

  • dynamisch arbeiten möchten

  • realitätsnahe Suche erleben wollen

  • Wert auf intensive Kommunikation legen

ID-Tracking eignet sich besonders für Teams, die:

  • strukturiert und präzise arbeiten möchten

  • Freude an Trainingsplanung haben

  • einen ruhigen, methodischen Aufbau bevorzugen


 

Fazit

Beide Sparten basieren auf der unglaublichen Leistungsfähigkeit der Hundenase – unterscheiden sich jedoch deutlich in Methodik und Schwerpunkt.

Während Mantrailing stark situationsbezogen und dynamisch ist, steht beim ID-Tracking die kontrollierte, präzise Geruchsdifferenzierung im Vordergrund.

Entscheidend ist nicht, welche Sparte „besser“ ist – sondern welche besser zu Ihrem Hund und zu Ihnen passt.

Denn erfolgreiche Sucharbeit entsteht immer durch ein harmonisches Team. 🐾